„War for Talents“ – Azubi-Recruiting Trends in kleinen und mittleren Unternehmen

Mann hält Zettel hoch - Beschriftung "Join us"

„War for Talents“ als Begriff stammt aus einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 1997. Der darin prognostizierte Fachkräftemangel und der Kampf um Nachwuchskräfte sind heute 22 Jahre später auch in Deutschland Realität geworden. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe lassen sich einiges einfallen, um von der nachrückenden Generation als Arbeitgeber beachtet zu werden. Besonders schwer ist die passende Besetzung von Ausbildungsplätzen. Qualifizierte Fachkräfte sind in der Regel Branchenkenner und verfügen durch ihre Ausbildung über ein gutes Netzwerk. Schülerinnen und Schüler hingegen müssen sich bei der Berufswahl völlig neu orientieren und zunächst auf ein Unternehmen und seine Ausbildungsangebote aufmerksam gemacht werden. Kleine und mittelständische Unternehmen stehen hier vor besonderen Herausforderungen, denn der Trend geht zu großen, bekannten Unternehmen und Marken, bei denen sich bevorzugt beworben wird.

Wie mache ich auf mein Unternehmen als Ausbildungsbetrieb aufmerksam?

Fest steht ein Azubi-Recruiting-Trend: ohne Social Media läuft nichts! Das sind die Kommunikationsmedien der Generation Y und Generation Z. Für den Bewerbermarkt sind Internet und mobile Kommunikation die wichtigste Kommunikationsplattform. Das Internet wird zur Selbstpräsentation, Informationsbeschaffung, Recherche, Kontaktaufbau und Netzwerken genutzt. Alles läuft über das Smartphone – was gefällt, wird sofort geteilt. Zwei Faktoren sind dabei für Unternehmen entscheidend: die Wahl der Internet-Plattform und eine Social-Media-Guideline inklusive Corporate Wording.

Die mobile Bewerbung via App ist ein absoluter Trend für die Digital Natives. Die Bewerbung mit einem Click wird die E-Mail-Bewerbung zukünftig ablösen. Um Ihre Homepage mit Stellenausschreibungen über Smartphone zu erfassen, sollte sie über ein Responsive Design verfügen. Das bedeutet, die Inhalte passen sich automatisch an Smartphone oder Tablet an. Mobile-Recruiting dient dem Erstkontakt: unterwegs wird gesucht oder es werden Links geöffnet, zu Hause am Laptop wird sich auf der Homepage ausführlicher informiert. Soweit zur Technik und ihrer Nutzung.

Mit welchen Inhalten motiviere ich zur Bewerbung?

Im Trend liegt die lockere Du-Ansprache. Hier ein paar Beispiele: „Bewirb dich jetzt“, „unsere offenen Ausbildungsstellen findest du hier!“, „Zeig, was du drauf hast!“, „wir freuen uns auf deine ganz persönliche Bewerbung!“. Sehr ansprechend sind Inhalte, die von „Azubis für Azubis“ erstellt werden: YouTube-Videos, 1-Tag-sind-Azubis-der-Chef, Azubi-Award, Azubi-Porträts, eine Bildergalerie mit Azubi-Projekten. Wichtig ist, dass die Auszubildenden als gleichgestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gezeigt werden, die eigene Ideen umsetzen und sich einbringen können. Die Fotos sollen Anerkennung für die Mitarbeit der Auszubildenden ausstrahlen.

Das allein reicht noch nicht, dass sich Interessenten um einen Ausbildungsplatz bewerben. Informationen zu Unternehmen mit freien Ausbildungsplätzen kommen oft über die Bundesagentur für Arbeit, die gut vernetzt, aktuell und digital Schülerinnen und Schüler anspricht. Der Erstkontakt geht über das Smartphone: Dort klicken sie auf die Homepage und finden ansprechende Bildergalerien, YouTube-Videos und Links. Der nächste Schritt muss so einfach wie möglich sein, am besten digital unterstützt. Jetzt folgt die Bewerbungsphase, die meist zeitaufwendig und umständlich ist, da viele Informationen vorbereitet und bereitgestellt werden müssen: Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse. Bieten Sie Ihren potenziellen Azubis Hilfestellungen und einfache Verfahren: via App die Unterlagen hochladen, bei XING hinterlegte Profile hochladen, sich über LinkedIn bewerben, mit einem Klick alles hochladen, einen Kontakt für persönliche Hilfe oder Bewerbungstipps. Im Trend sind Formularfunktionen, die besser vergleichbar sind. Im Online-Recruiting verliert das Anschreiben an Bedeutung, was vielen Nachwuchskräften entgegenkommt, weil es als aufwendig und altmodisch gilt. Eine kurze Mail reicht oft.

Womit lockt man Auszubildende, welche Anreize und Trends gibt es?

Sehr trendig ist eine „mobile Schnitzeljagd“ wie beim Geocaching oder Pokémon GO. Man beantwortet technische Fragen, die Besten werden direkt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Beliebte Geschenke sind die technische Ausstattung neuer Auszubildender mit Laptop, Tablet, Smartphone mit Jahres-Flatrate, Kopfhörer und Boxen. Ist das Unternehmen mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen, gibt es neben Job-Ticket und Führerschein-Zuschuss auch Leih-E-Bikes oder ein Azubi-Mobil, kleine E-Fahrzeuge, beispielsweise für die besten des 2. Ausbildungsjahres. Zukünftig wird es auch E-Scooter geben. Weiterhin gehen kleinere und mittlere Unternehmen Kooperationen mit anderen Bundesländern und europaweit ein. Geboten wird ein mehrmonatiger Azubi-Austausch, um neue Aufgabengebiete und Länder kennenzulernen. Am Ende der Ausbildung lockt eine gemeinsame Abschlussfahrt, die von den Auszubildenden medial aufbereitet wird. Aktionen wie „Azubis werben Azubis“ schafft einen direkten Kontakt zur Zielgruppe. Die aktuellen Auszubilden mit T-Shirts und flotten Werbesprüchen über Messen, Events, Stadtfeste und Rockfestivals zu schicken, gilt als Guerilla-Recruiting. Ergänzt werden die Angebote durch After-School-Schnuppertage, Patenmodelle, Mentoring, Tandems und Gastfamilien, wenn das Unternehmen ländlich liegt oder die Auszubildenden minderjährig sind.

Wie halte ich Auszubildende im Unternehmen?

Sie können noch so vielen Trends folgen, materielle Anreize und technische Raffinessen schaffen – um Auszubildende langfristig an das Unternehmen zu binden, bedarf es vor allem: Wertschätzung. Anerkennung, eine positive Arbeitsatmosphäre, das Gefühl von Zugehörigkeit, regelmäßiges Feedback und Entwicklungsperspektiven geben der Generation Y und Z Freude an der Arbeit, Zufriedenheit und langfristig Sicherheit. Das ist die beste Garantie, Ihre Auszubildenden im Unternehmen zu halten.

Welche neuen Wege gehen Sie, um Ihre Auszubildenden im Betrieb zu halten? Nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion oder schreiben eine E-Mail an redaktion@bnw.de.

Autorin: Iris Kadenbach, Geschäftsführung, Kadenbach Coaching Hamburg | Hannover

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