Umfrage bei Unternehmen: 94 Prozent wollen lebensbegleitendes Lernen – es hapert aber an der Umsetzung

Berufliche Weiterbildung ist für eine sich rasant weiterentwickelnde Industrie- und Informationsgesellschaft essenziell – und sollte ganz oben auf der Agenda stehen. In den Unternehmen klaffen jedoch Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Dies ist das Ergebnis einer Befragung unter 205 Unternehmern und Personalverantwortlichen, die das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) vom 25. April bis 10. September 2018 durchgeführt hat.

So sind 94 Prozent der Befragten der Ansicht, dass es in jedem Unternehmen eine „ausgeprägte Lernkultur“ geben sollte. Vier von fünf Unternehmensverantwortlichen sind zudem überzeugt, dass kontinuierliche betriebliche Weiterbildung die Wettbewerbsfähigkeit erhöht und ein wirksames Instrument zur Mitarbeiterbindung darstellt. Jedoch hapert es an der Umsetzung: Denn 56 Prozent geben an, für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter noch nicht genug zu tun.

Um Anspruch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen, sehen die befragten Unternehmer und Personalverantwortlichen staatlich unterstützte Fortbildungsfreistellungen als wichtige Option an (51 Prozent). Mehr „Training on the Job“, zum Beispiel Teilqualifizierung, Webinare, Förderkreise und Hospitationen, führe ebenfalls zum Ziel (47 Prozent). 33 Prozent setzen zudem auf externe Beratung, 32 Prozent auf den Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen. Eine strategische Weiterbildungsplanung erachten hingegen nur 23 Prozent für notwendig.

Um Mitarbeiter zur Weiterbildung zu motivieren, beteiligen sich 49 Prozent der Unternehmen an den Kosten für Kurse, Fahrten, Prüfungen und Lernmittel. Viele stellen außerdem bezahlt von der Arbeit frei (42 Prozent) oder erlauben das Lernen während der Arbeitszeit, wenn die Arbeitsauslastung dies zulässt (40 Prozent).

Doch auch die Mitarbeiter sind gefragt, betont Tobias Lohmann, Sprecher der Geschäftsführung des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW): „Weiterbil-dung im Sinne eines lebensbegleitenden Lernens ist ein stetiger strategischer Prozess. Hier kommt es insbesondere auf die Eigenverantwortung und -initiative jedes Einzelnen an, sich stärker als bisher in die eigene Weiterbildung einzubringen.“

 

Lebenslanges Lernen im betrieblichen Alltag Alle Ergebnisse der Umfrage im Überblick:

(Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft befragte 205 Unternehmer und Personalverantwortliche im Zeitraum: 25. April bis 10. September 2018.)

 

1. Sollte es in jedem Unternehmen eine ausgeprägte Lernkultur geben in der Form, dass Weiterbildung und Lernen dort „gelebte Werte“ sind?

Ja, unbedingt 66,34%
Eher, ja 27,80%
Eher, nein 0,98%
Nein, auf keinen Fall 0,98%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 3,90%

 

2. Sind Sie der Ansicht, für die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter bereits genug zu tun?

Ja, unbedingt 5,85%
Eher ja 28,29%
Eher nein 48,29%
Nein, auf keinen Fall 7,80%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 9,76%

 

3. Was würde Ihnen helfen, den Bereich der Weiterbildung in Ihrem Unternehmen zu stärken? (Mehrere Antworten möglich)

Staatlich unterstützte Förderung einer Freistellung für Fortbildungszeiten der Mitarbeiter 50,73%
Externe Beratung und individuelle Bedarfsermittlung 33,17%
Strategische Weiterbildungsplanung 23,41%
Mehr „Training on the Job“ z.B. Teilqualifizierung, Webinare, Förderkreise, Rotation, Hospitation 47,32%
Austausch mit anderen Unternehmen über deren Lösungswege und Erfahrungen 32,20%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 6,83%
Sonstiges (bitte angeben) 2,44%

 

4. Wie viel Geld investiert Ihr Unternehmen in die betriebliche Weiterbildung – durchschnittlich je Mitarbeiter und Jahr?

Unter 500 Euro 16,10%
500 bis unter 1.000 Euro 42,44%
1.000 bis unter 1.500 Euro 4,88%
Über 1.500 Euro 7,32%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 29,27%

 

5. Soll es beim Weiterbildungsbudget in den nächsten fünf Jahren nennenswerte Veränderungen geben?

Sehr starke Steigerung (über 25%) 9,27%
Starke Steigerung (über 10-25%) 13,66%
Leichte Steigerung (bis 10%) 20,00%
Es sind keine Änderungen geplant 35,61%
Wir werden die Ausgaben zurückschrauben 2,44%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 19,02%

 

6. Erhöht kontinuierliches Engagement in Sachen betrieblicher Weiterbildung direkt auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens?

Ja, sogar erheblich 23,41%
Ja, durchaus 38,05%
Eher ja 20,00%
Eher nein 6,83%
Nein, nicht unbedingt 3,90%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 7,80%

 

7. Ist betriebliche Weiterbildungsförderung Ihrer Ansicht nach ein wirksames Instrument zur Mitarbeiterbindung?

Ja, unbedingt 30,73%
Eher ja 40,98%
Eher nein 2,93%
Nein, nicht unbedingt 7,80%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 17,56%

 

8. Welche Arten der Weiterbildung bieten Sie in Ihrem Unternehmen an? (Mehrere Antworten möglich)

Training on the Job (Einarbeitung und Traineeships) 51,22%
Training off the Job (Lehrgänge bei externen Bildungsanbietern) 57,07%
Inhouse-Seminare und -Workshops 52,20%
Konferenzbesuche 30,73%
Sonstiger Erfahrungsaustausch 22,44%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 10,24%
Sonstiges 3,41%

 

9. Wo sehen Sie in Ihrem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren den höchsten Bildungsbedarf?

Industrie 4.0 22,93%
Digitalisierung und neue Technologien 60,49%
Berufsspezifische Fachkompetenzen 63,41%
Fremdsprachen 16,59%
Soziale Kompetenzen 32,20%
Interkulturelle Kompetenz 19,51%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 6,83%
Sonstiges (bitte angeben) 1,95%

 

10. Welches Vorgehen bevorzugen Sie bei betrieblichem Fachkräftemangel?

Erhöhung der Anstrengungen und des Aufwands für die Rekrutierung 50,24%
Häufigere Einbeziehung von älteren Mitarbeitern in die betriebliche Weiterbildung 29,76%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 16,10%
Sonstiges (bitte angeben) 3,90%

 

11. Von wem geht die Initiative zur Weiterbildung in der Regel eher aus?

Unternehmen 15,61%
Mitarbeiter 34,15%
Von beiden Seiten gleichermaßen 45,85%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 4,39%

 

12. Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter, sich extern weiterzubilden? (Mehrere Antworten möglich)

Unterstützung beim Lernen durch fachlichen Austausch 26,83%
Lernen während der Arbeitszeit, wenn die Arbeitsauslastung dies zulässt 40,49%
Bezahlte Freistellungen 42,44%
Kostenbeteiligungen (Kurs-, Fahrt- und Prüfungskosten, Lernmittel) 49,27%
Prämienzahlung nach erfolgreichem Abschluss 11,71%
Gehaltserhöhung 6,83%
Mein Unternehmen bietet keine Unterstützung 8,78%
Weiß nicht / kann ich nicht sagen 9,27%
Sonstiges (bitte angeben) 1,46%

 

Fazit:

„Auch im digitalen Zeitalter bleibt der Mensch mit seinen Kompetenzen der relevante Wirtschaftsfaktor. Der Weiterentwicklung der Mitarbeiter kommt in Zukunft sogar eine noch bedeutendere Rolle zu. Gefragt ist eine neue Lernkultur, bei der Lernen und Arbeiten selbstverständlich ineinandergreifen.“

Tobias Lohmann, Sprecher der Geschäftsführung des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW)

 

Sie möchten eine neue Lernkultur im Unternehmen etablieren und sind auf der Suche nach Inspiration? Weiterbildung näher an den Arbeitplatz heranzurücken muss nicht teuer sein und fängt mit dem ersten Schritt an. Holen Sie sich hier 4 nützliche Tipps.

Lesen Sie hier auch die Forderung der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) und des DGB in Niedersachsen nach mehr staatlichem Einsatz bei Weiterbildungen im Politikjournal Rundblick.

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Kommentare
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