Teamentwicklung als Ausbilder fördern

Concept photo of a leader using a rope as teamwork on the foreground

Immer wieder werde ich bei Lehrerfortbildungen, an Berufsschulen oder in offenen Trainings für Ausbilder gefragt: „Wie können wir mit den heutigen Jugendlichen in der beruflichen Ausbildung umgehen, um ihre Teamfähigkeit zu verbessern?“ Einerseits freut mich das Interesse und zeigt, dass sich die engagierten Multiplikatoren viele Gedanken über die Zielgruppe machen. Andererseits beschreibt diese Frage auch eine Realität, die sehr zum Nachdenken anregt. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen ein paar meiner Erfahrungen auf diesem Blog weitergeben.

Früher war alles anders – na und?

Ich gehöre zu der Generation der „Babyboomer“. Als ich 1978 in Hamburg meine Lehre als Feinmechaniker begann, war es der entscheidende Schritt von der Schulzeit in die Erwachsenenwelt. Mein cholerischer Meister herrschte täglich in seiner Werkstatt und ich hatte zu gehorchen. Widerworte oder Beschwerden wurden nicht geduldet! Aber wem nützen heute diese Erfahrungen, die wohl viele Menschen früherer Generationen gemacht haben? Heute ist alles anders und die Jugendlichen der Generation Z sind auch anders. Ich sage bewusst „anders“ und verzichte auf Wertungen!

Erfahrungen aus meinen Trainings – probieren Sie es mit Ihren Azubis

In meinen Trainings erlebe ich viele interessante Entwicklungen und Einstellungen. Jedes Teamtraining beginnt mit Warming Up´s, zum Beispiel Gehirntraining mit Bewegung. Meine Teilnehmer sind total begeistert von Lifekinetik-Übungen und ich bin es auch. Diese Übungen sind hervorragend für beinahe jede Altersgruppe geeignet, machen sehr viel Spaß und bilden schnell eine geniale Arbeitsatmosphäre. Das bestätigen mir auch meine Seminarteilnehmer – generationsübergreifend. Für die Übungen braucht man kein sportliches Talent. Lust auf neue Erfahrungen und auf leichte Bewegungen genügen. Danach sind alle wacher und aufnahmefähiger.

Eine lockere und vertraute Atmosphäre ist wichtig. Erst wenn diese spürbar ist, führe ich Übungen zur Teambildung durch. Die Prozesse stehen hierbei im Vordergrund und nicht die Ergebnisse. Diese Prozesse verlaufen sehr unterschiedlich und bedürfen einer individuellen Auswertung und Reflexion. Ich führe die jungen Erwachsenen bewusst an Grenzen heran und spreche hier von einem „angemessenen Scheitern“, zum Beispiel beim Bau von

Emotionen sind willkommen

Einige Gruppen scheitern und schaffen die Teamaufgaben nicht vollständig. Sie geben enttäuscht auf oder sind frustriert. Ursachen werden oft bei den anderen verortet. Andere Gruppen schaffen es nach einigen Versuchen, weil sie nicht aufgeben wollen. In beiden Fällen ist die Reflexion besonders wichtig und verspricht ein großes Nachhaltigkeitspotenzial. Die erlebten Prozesse werden multisensorisch erfasst, weil der gesamte Körper im Einsatz ist – nicht nur der Kopf. So werden mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen und ehrliche Grundemotionen ausgelöst, wie Ärger oder Wut, Freude, Scham, Traurigkeit oder Überraschung. Emotionen helfen, die Erlebnisse des Lernprozesses im Langzeitgedächtnis zu verankern.

Diese erfahrungs- und handlungsorientierten Teambildungsprozesse sollten in die betriebliche und schulische Ausbildung integriert werden, wo immer es möglich ist. Die Teilnehmer sind dankbar für die praktischen Übungen und erleben sich in der sozialen Interaktion als Bestandteil eines Teams. In einigen Gruppen ist der Umgang miteinander von Beginn an wertschätzend und es wird konstruktiv kommuniziert. Jeder kann sich gleichberechtigt einbringen. Wenn die Gruppenprozesse anfänglich holprig verlaufen, wird das inhaltlich thematisiert und hinterfragt. Erst wenn sich jeder wohl- und angenommen fühlt, findet Teambildung statt.

Setzen Sie gezielte Fragen zur Reflexion ein

Gleichzeitig entsteht im Miteinander das Bedürfnis, die Erfahrungen innerhalb der Peergroup auszutauschen. Zielführende Reflexionsfragen helfen, den erlebten Prozess zu vertiefen: Wie fühlen Sie sich jetzt nach der Übung? Was hat gut geklappt? Was kann verbessert werden? Wie zufrieden sind Sie mit dem Arbeitsprozess, den Absprachen, den anderen, dem Ergebnis? Diese Fragen werden sehr unterschiedlich beantwortet. Perspektivenvielfalt wird sichtbar: Wie gut hat die Kommunikation untereinander funktioniert? Konnten sich alle beteiligen? Wer fühlt sich übergangen? Welche Überraschungen gab es? Was hat Sie wütend gemacht?

Alle diese Fragen werden aus der Erfahrung der jeweiligen Übung heraus und im geschützten Raum beantwortet. Anschließend werden die Fragen und Antworten in die Lebensrealität der Teilnehmer übertragen. Die jungen Menschen erinnern sich an vergleichbare Situationen sowie Herausforderungen. Viele Teilnehmer fühlen sich regelrecht ermutigt, verinnerlichte Grenzerlebnisse auszusprechen. Die offene und vertrauensvolle Atmosphäre des Teamtrainings bietet sich dafür an. Auch weniger extrovertierte Menschen nehmen in den Reflexionsrunden viele Informationen auf und gleichen sie mit ihren eigenen Erfahrungen ab. So finden neben den offenen Reflexions- auch die so wichtigen Selbstreflexionsprozesse statt.

Stärken Sie Soft Skills

Viele junge Menschen erfahren in der Ausbildung, wie wichtig neben dem fachlichen Können auch Soft Skills sind. Dazu zählen Schlüsselqualifikationen wie Selbstreflexion, Kommunikation und natürlich Teamfähigkeit. Aber was ist, wenn sie diese Fähigkeiten nicht von Haus aus mitbringen? In heutigen Lehr- oder Ausbildungsplänen sind diese Soft Skills gefordert. Wie kann das vermittelt werden? „Klassischer“ Unterricht ist dafür wenig geeignet. Die Entwicklung von Soft Skills ist verbunden mit Erfahrungen und implizierten Vorgängen. Dazu gehören Haltung und Einstellung. Das kann durch erfahrungs- und handlungsorientierte Übungen erlebbar gemacht und gefördert werden. Davon bin ich überzeugt!

Welche Formen der Teambildung haben Sie schon mit Ihren Azubis ausprobiert? Lassen Sie uns teilhaben und nutzen Sie die Kommentarfunktion oder schreiben uns an redaktion@bnw.de.

Autor: Andreas Sedlag, Theaterpädagoge und Kompetenztrainer, EOL-Trainer, NLP-Practitioner

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