Ressourcenorientiert ausbilden – Stärken der Generationen Y und Z gezielt nutzen

Ressourcen sind die Potenziale und Stärken von Menschen. In der Pädagogik erkunden Lehrende und Ausbildende diese Stärken und Interessen von Lernenden, um sie zum Ausgangpunkt ihrer Unterstützung und Förderung zu machen. Die individuellen Fähigkeiten, Stärken und Interessen eines Menschen sind der Ansatz für die Förderung des Lernens. Das Kredo lautet „Stärken stärken“.

Haltung und Handlungsprinzip

Ressourcenorientiertes Ausbilden ist weniger eine Ausbildungsmethode als vielmehr eine Haltung und ein Handlungsprinzip. Jeder Mensch trägt die Fähigkeit zur Lösung von Problemen in sich und verfügt dafür über Ressourcen. In der Pädagogik werden gemeinsame Problemlösungen zum Beispiel in Form von Gruppenarbeit kollektiv erarbeitet. Die Lerngruppe erhält Informationen, die zunächst ungeordnet sind. Die Lernenden müssen daraus aktiv Handlungswissen mit einer gewissen Ordnung und Systematik schaffen. Dazu sind die Fähigkeiten und das Wissen aller Beteiligten gefordert. Die Ausbildenden sind dabei mehr Mentoren und Unterstützer, die den Informationsfluss für die Lerngruppen über analoge und digitale Kanäle sicherstellen und Feedback geben. Die Ausbildenden nehmen so den Auszubildenden nicht das Denken ab. Sie fördern eigenständiges und ressourcenorientiertes Handeln, indem sie kurze Projekte und tägliche Lerneinheiten anbieten. Die Auszubildenden erstellen einen selbständigen Handlungsplan, setzen ihn zeitnah um und erhalten Feedback. Mit der Lernerfahrung wird der Plan angepasst und erneut weiterbearbeitet, bis es passt. Dieses Vorgehen ist agil und nutzt die Stärken der Lernenden.

Klassische Methoden werden schrittweise ersetzt

Ressourcenorientierung löst zunehmend klassische Ausbildungsformen wie das 4-Stufen-Modell ab – sie ist motivierender und nachhaltiger als das Konditionieren. Es ist demotivierend, einem „Alten Hasen“ beim Praktizieren seiner über Jahre ausgeübten Arbeit zuzusehen, um sie so lange nachzuahmen bis es halbwegs klappt. Menschen schauen sich gerne Kochshows an, aber sie kochen die Gerichte nicht nach, weil der Weg zu mühsam ist. Menschen lieben das Zusehen, dadurch wird jedoch nicht eigenverantwortlicher und kreativer gekocht. Im Gegenteil: Angesichts des Könnens auf der Gegenseite sinkt die Motivation.

Methodenstark Wissen recherchieren

Voraussetzung für Ressourcenorientierung in der Ausbildung ist, dass die Lernenden schon in der Schule an das gemeinsame Erstellen von Wissen herangeführt werden. Hier liegen die Stärken der Generationen Y und Z. Dank des Internets gelangen sie an jede Information. Sie sind es gewohnt, in Gruppen zu lernen, Wissen zu recherchieren, dieses zu hinterfragen und für andere leicht verständlich visuell aufzuarbeiten. Das setzt Wertschätzung und Vertrauen voraus, ebenso wie regelmäßige Feedbackschleifen und den konstruktiven Umgang mit Kritik auf beiden Seiten.

Lerngruppen in Mehr-Generationen-Teams

Gibt es nur einen Auszubildenden pro Jahrgang, dann lernt dieser erfolgreich in generationenübergreifenden Teams. In altersgemischten Teams findet eine höhere Sensibilisierung für Unterschiede und Gemeinsamkeiten statt. Stärken werden erkannt und für die Zusammenarbeit genutzt, die beidseitige Wertschätzung steigt. Es geht um ein besseres Verständnis untereinander und Lernen voneinander, auch im Umgang mit Medien und digitalen Technologien. Man anerkennt die Stärken jeder Generation.

Stärken der Generation Y

Die Generation Y ist gut ausgebildet und qualifiziert, wurde von den Eltern stets gefördert und erkennt die Notwendigkeit lebenslangen Lernens an. Sie hat jedoch andere Werte als die Elterngeneration. Sie wünscht sich Selbstbestimmung, Flexibilität, Unabhängigkeit und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Dabei können sich Berufs- und Privatleben durchaus durchmischen, zum Beispiel bei der freien Zeiteinteilung im Homeoffice. Die Generation Y möchte auf Augenhöhe behandelt werden. Sie braucht Harmonie und ein wertschätzendes Arbeitsklima und wünscht sich interessante Aufgaben, Weiterbildung, Förderung und Selbstverwirklichung.

Stärken der Generation Z

Als Generation Z bezeichnet man die ab 1995 geborenen, für die der Umgang mit digitalen Medien selbstverständlich zum Leben gehört. Diese unterscheiden sich grundsätzlich von der Generation Y. Jobsicherheit sowie eine klare Trennung von Arbeits- und Privatleben ist ihnen ebenso wichtig wie feste Arbeitszeiten und ein eigener Schreibtisch. Home Office und mobiles Arbeiten sehen sie skeptisch, ihr Motto ist Work-Life-Separation. Die Generation Z wünscht sich Strukturen und Anerkennung, sie ist mit viel Lob und positiver Förderung aufgewachsen. Konflikte, Kritik und direkte Auseinandersetzung vermeiden die Menschen dieser Generation und diskutieren das lieber mit ihrer Community in den sozialen Medien. Ihnen ist unverständlich, im digitalen Zeitalter auf die Nutzung der Medien während der Arbeitszeit verzichten zu müssen, sie halten sich jedoch an die Regeln. Sie wünschen sich Eigenständigkeit, aber wenig Risiko, brauchen Geborgenheit und ein positives Arbeitsklima und fordern gleichzeitig Freiheit und Mitbestimmung.

Vielfalt im Lernen

 Diesen scheinbar widersprüchlichen Bedürfnissen kommt ressourcenorientiertes Ausbilden entgegen: Die Vielfalt wird gefördert. Ob individuell, in Tandems, Lerngruppen oder altersgemischten Teams erarbeiten sich Auszubildende analog oder digital scheinbar ungeordnetes Wissen selbst, setzen dafür ihre Stärken und Fähigkeiten ein und dürfen bleiben, wie sie sind. Das Erfolgserlebnis ist nachhaltiger, denn sie beweisen sich ihre Eigenständigkeit.

Letztlich geht es um generationengerechte Führung in der Ausbildung. Jede Generation hat den Anspruch, ihren Bedürfnissen entsprechend gerecht behandelt, entwickelt und geführt und ausgebildet zu werden. Nehmen Sie ihnen nicht das Denken ab, sondern stärken Sie die Stärken!

 

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