Recruiting 4.0 für den Mittelstand – was, wenn’s funktioniert?

Hinweisschild an Straße: "Now Hiring"

Wie finden wir neue und qualifizierte Mitarbeiter? Welche Rolle spielen soziale Medien dabei und sind diese Kanäle auch dann für uns interessant, wenn wir dafür wenig Ressourcen bereitstellen können?

Diese und weitere Fragen rund um modernes Recruiting und Mitarbeitergewinnung waren der Anlass für den Arbeitgeberverband Harz, am 19. November 2019 ein Seminar zum Thema „Recruiting 4.0“ mit dem BNW als Partner durchzuführen. Referent war Christian Müller von sozial-pr.

„Der Harz ist Wirtschaftsstandort einer Vielzahl von global agierenden Unternehmen, die vom allgemeinen Fachkräftemangel betroffen sind. Obwohl es eine große Vielfalt an Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten gibt, ist dies zum Teil nicht für die potenziellen Arbeitskräfte präsent. Neue Wege im Recruiting sind eine exzellente Möglichkeit, die eigene Bekanntheit und Attraktivität als Unternehmen zu erhöhen und die Zielgruppe dort zu erreichen und abzuholen, wo sie gerade ist“, sagt Anja Mertelsmann, Geschäftsführerin des AGV Harz, zum Hintergrund des Seminars für die Mitglieder des Verbandes. Mit einem breitgefächerten Teilnehmerfeld und über 30 Unternehmensvertretern aus unterschiedlichsten Branchen wurden der aktuelle Stand des Recruitings und die Anforderungen heutiger Bewerber an Unternehmen und Arbeitgeber diskutiert.

Recruiting 4.0: Altbekannte Prinzipien auf neuen Kanälen

Schnell wurde deutlich: Auch beim Recruiting 4.0 ist längst nicht alles neu. Sicher, Kanäle wie Facebook, Instagram, Xing oder LinkedIn sind für manche Unternehmen noch unerschlossenes Neuland. Doch die grundlegenden Prinzipien guter Bewerberansprache und Bewerberprozesse sind auch hier relevant. Dazu gehören unter anderem:

  • konkrete Darstellung der Stellen aus Bewerbersicht mit klaren Anforderungen in der Stellenausschreibung
  • gute und niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten
  • zeitnahe Reaktion auf Bewerbungen und klare Kommunikation der Reaktionsgeschwindigkeit
  • wertschätzender und höflicher Kommunikationsstil – auf beiden Seiten
  • Wissen und Erfahrung rund um die Informations- und Kommunikationsgewohnheiten der Bewerber und Fachkräfte einer Branche

Alles nicht sonderlich überraschend. Marina Vetter von der Goslar Marketing GmbH war beim Seminar dabei und zieht folgendes Fazit:

„Aus dem Seminar habe ich für mich mitgenommen, dass wir in Sachen Personalmarketing bereits auf einem guten Weg sind und diesen künftig weiter ausbauen müssen. Konkret bedeutet das für mich, dass wir uns als Arbeitgebermarke aufbauen und intensiver auf Anzeigen in sozialen Netzwerken, allen voran Xing und LinkedIn, setzen. Zusätzlich sehe ich die Bedeutung von eigenen, mobil optimierten Karriereseiten und thematischen Webblogs als gesetzt an, sodass wir diese Kanäle weiterentwickeln werden.“

Aus ihrer Aussage geht die Kernbotschaft des Seminars hervor: Arbeiten Sie zuerst an Ihren eigenen Präsenzen – hier die Karriereseite – und wählen Sie danach gezielt die Netzwerke aus, die für Sie und Ihre Bewerber relevant und sinnvoll sind. Wenn Facebook beispielsweise nicht dazu gehört, ist das kein Problem.

Mut zur klaren Kanalwahl

Grundsätzlich plädierte Referent Christian Müller im Seminar dafür, die Recruiting-Aktivitäten an unternehmerische Ziele zu koppeln und das auch für die kommunikativen und marketingrelevanten Ziele und Maßnahmen zu tun. Anders gesagt: Wenn Sie nicht klar beantworten können, warum Sie auf einem bestimmten Kanal aktiv sind und wen Sie dort wozu ansprechen wollen, ist der Kanal vielleicht gar nicht so sinnvoll.

Natürlich ist mit all diesen Aktivitäten zusätzlicher Aufwand und damit auch Arbeit verbunden. Da kann durchaus die Frage aufkommen, ob sich dieser lohnt und die Kosten-Nutzen-Rechnung hier aufgeht. Auf die Frage, warum neue Wege im Recruiting sinnvoll sind, sagt Marina Vetter:

„Gute Bewerber sind heute immer schwerer zu finden und der Wandel zum Arbeitnehmermarkt ist in Zeiten von Fachkräftemangel immer deutlicher spürbar. Für mich ist daher wichtig, mit potenziellen Kandidaten dort ins Gespräch zu kommen, wo sie sich intuitiv bewegen. Der Einsatz von sozialen Netzwerken und Messengern ist daher künftig unabdingbar für uns.“

In dieser Aussage wird deutlich, warum das Recruiting via Online-Medien für KMU ein immer wichtigeres Thema wird. Zahlen der aktuellen ARD ZDF Onlinestudie zeigen, dass 50 Millionen Deutsche täglich online sind. Social Media spielen hierbei eine wichtige Rolle, da gilt jedoch – zumindest im Blick auf die Jobsuche – noch stärker für Jobbörsen und Karriereseiten von Unternehmen. Die gezielte Ansprache potenzieller Bewerber in neuen Kanälen birgt großes Potenzial für die Ansprache bisher nicht erreichter Fachkräfte.

Noch klarer wird der Nutzen beim Blick auf junge Bewerber und Fachkräfte der nächsten Generation. Mehr als 60 Prozent dieser Zielgruppe sind auf Instagram unterwegs, WhatsApp nutzen sogar 63 Prozent aller Altersgruppen täglich, bei jüngeren Nutzern liegt die Zahl noch höher. KMU kommen daher zumindest perspektivisch nicht an der gezielten Nutzung von Social Media und dem Einsatz von Online-Recruiting-Maßnahmen vorbei.

Dieser Einsatz kann jedoch Schritt für Schritt begonnen werden und muss keine Hauruck-Aktion sein. Tatsächlich wäre ein aktionistischer Start ohne Ziele und eine Antwort auf die Warum-Frage vermutlich eher schädlich für die Reputation eines Unternehmens.

Wenn Sie sich auf den Weg in Richtung Recruiting 4.0 machen wollen, helfen Ihnen vielleicht drei Fragen, die Referent Christian Müller auch den Teilnehmern stellte:

  1. Welche Bewerber wollen Sie erreichen, die sich heute noch nicht bei Ihnen bewerben?
  2. Welche Medien nutzen diese Bewerber für ihre Information und Bewerbungsrecherche?
  3. Welche Ressourcen können Sie für den Aufbau neuer Kanäle und Kommunikationsarten einsetzen?

Wenn Sie diese drei Fragen beantworten, haben Sie den Rahmen abgesteckt, in dem Sie mit neuen Maßnahmen aktiv werden können.

Das BNW adressiert mit dem Instagram-Account „bnw_azubitipps“ junge Auszubildende und gibt ihnen Tipps für die Ausbildung. Als Partner der Wirtschaft engagiert sich das BNW – unterstützt von Seminarreferent Christian Müller – auf diesem Weg für die Stärkung der dualen Berufsausbildung und die Förderungen von Auszubildenden.

Jetzt wollen auch Sie loslegen? Vielleicht warten Sie noch so lange, bis Christian Müller an dieser Stelle im Januar beschreibt, wo die Herausforderungen im Recruiting über Social-Media-Kanäle liegen und warum der Trend in Unternehmen dahin geht, verschiedene Disziplinen zusammenzulegen und nur noch ein Budget für Kommunikation und (Personal-) Marketing bereitzustellen. Um Synergien geht es dabei, um die externe Kommunikation aus einer Hand und um eine neue Haltung.

Sie möchten sich schon jetzt Gedanken machen, wie Sie Ihre Zielgruppen online erreichen können? Wir geben Ihnen  Tipps, wie Sie in sechs Schritten zu einer Social-Media-Strategie gelangen. Die zugehörige Infografik können Sie gerne als Leitfaden nutzen.

Photo by Free To Use Sounds on Unsplash

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