Führen lernen: 7 Dinge, die Sie in der Anfangsphase als Chef beachten sollten

Meeting mit dem Chef

Als erfolgreiche Führungskraft wissen Sie, worauf es bei effektiver und effizienter Führung ankommt.  Wenn Sie sich an Ihre Anfangszeit als Führungskraft erinnern, kommen Ihnen gewiss Situationen in den Sinn, auf die Sie mit Stolz zurückblicken, weil Ihr Verhalten positive Weichen gestellt hat. Welche Tipps geben Sie jungen Führungskräften heute? Welche Fehler sollten vermieden werden?

1. Ihre erste Teamsitzung

Ihrer ersten Rede, Besprechung oder Teamsitzung als neuer Chef messen Sie besondere Bedeutung bei und bereiten sich intensiv vor. Schließlich geht es darum, einen positiven ersten Eindruck zu machen.

Sie wollen nicht nur durch Kleidung und Auftreten, sondern auch sprachlich und inhaltlich überzeugen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre wesentlichen Themen und halten Sie Ihre gut strukturierte Rede kurz und knapp. Vermeiden Sie Floskeln und Worthülsen wie „trete in große Fußstapfen“, „große Herausforderung“, „bin auf Ihre Unterstützung angewiesen“ etc.

Ihre Mitarbeiter erwarten, dass Sie Ihre Vorstellungen hinsichtlich Zusammenarbeit, Führungsstil oder Arbeitsschwerpunkten klar formulieren. Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Mitarbeiter? Was dürfen diese von Ihnen erwarten?

2. Vom Kollegen zum Vorgesetzten

Falls Sie aus dem eigenen Team heraus zum Chef befördert werden, bedeutet dies Chance und Konfliktpotenzial zugleich. Vermeiden Sie den Eindruck von Kumpanei, insbesondere gegenüber Mitarbeitern, die Sie nach wie vor duzen. Sie werden ehemalige Kollegen künftig objektiv danach beurteilen und behandeln, was sie für Ihr Team leisten und nicht wie sympathisch sie Ihnen sind:

Seien Sie hart in der Sache und weich zum Menschen!

Ihre ehemaligen Kollegen werden Sie persönlich immer noch genauso mögen wie vorher, oder eben nicht! Es gibt also keinen Grund, sich als Person anders darzustellen als vorher (z.B. über andere Witze zu lachen).

3. Alle Mitarbeiter gleich behandeln?

Viele junge Vorgesetzte setzen „jeden gerecht behandeln“ mit „alle gleich behandeln“ gleich. Dies ist ein typischer Anfängerfehler…

Wenn Ihr Führungsstil sich gerecht an Aufgabe, Kenntnisstand, Erfahrung und Motivation jedes Mitarbeiters Ihres Teams orientieren soll, wenden Sie das Prinzip des „Reifegrad-Modells“ an, ein Teilaspekt des „situativen Führens“ (nach Hersey/Blanchard).

Behandeln Sie nicht alle gleich, aber jeden gerecht!

Die Anwendung dieses Führungsstils bedeutet nicht, dass es nicht auch Regeln geben muss, deren Einhaltung für alle gelten.

4. Zielorientierung und Zeitmanagement

Viele neue Führungskräfte haben besonders zu Beginn den Eindruck, sie werden an jeder Ecke gebraucht – alles dreht sich um sie und ihre Entscheidungen. Ihre Tür steht jedem offen und dies wird rege genutzt. Jeder Tag müsste 48 Stunden haben… STOP!

Damit Sie sich nicht schon zu Beginn Ihres Chefseins an ein Hamsterrad erinnert fühlen, sollten Sie sich von Beginn an klar sein, wo Sie persönlich Ihre wichtigsten Aufgaben als Führungskraft sehen und grundsätzliche Prioritäten Ihrer Arbeit setzen. Dies erleichtert es Ihnen, im Kleinen wie im Großen wichtige von unwichtigen Aufgaben im Alltag zu unterscheiden. Wenn Sie immer nur reagieren und sich passiv den Wünschen anderer Anspruchsteller aussetzen (Emailschreiber, Anrufer, Spontanbesucher), werden Sie am Ende des Tages nichts wirklich Wichtiges erledigt haben.

Reservieren Sie sich täglich feste Zeitfenster, in denen Sie Emails beantworten, telefonische Rückrufe tätigen oder Mitarbeiter aufsuchen. ToDo-Listen und „technische Helfer“ mit Terminierungs- und Erinnerungsfunktion unterstützen Sie dabei, Aufgaben zu delegieren oder später zu erledigen (oder nie!). Und das mit gutem Gewissen und entlastetem Gedächtnis.

Das setzt voraus, dass Sie in Ihren ersten Wochen daran arbeiten, Ziele zu definieren und einen Handlungsplan zu deren Umsetzung zu erstellen. Egal ob es sich nun um eine anstehende Umstrukturierung Ihrer Abteilung, ein großes Digitalisierungsprojekt oder Personalauswahlentscheidungen handelt.

5. Kommunikation

In der heutigen vernetzten Arbeitswelt hat die Kommunikation mit dem Team und gegenüber dem einzelnen Mitarbeiter eine besondere Bedeutung. Orientieren Sie sich in der Anfangsphase besonders an dieser Regel:

Tun Sie, was Sie sagen und sagen Sie, was Sie tun!

Authentisches und emotionales Führungsverhalten bedeutet, dass Reden und Handeln im Gleichklang schwingen und Wertschöpfung und Wertschätzung gleichermaßen betonen. Indem Sie Ihr Team darüber informieren, was Sie tun (und warum) fördern Sie Vertrauen, Zusammenarbeit, systemisches Denken und Feedbackkultur Ihrer Mitarbeiter. Die Bedeutung Ihrer Kommunikationskompetenz ist für Ihren Führungserfolg nicht hoch genug zu bewerten.

6. Führungskraft vs. Fachmann

Sie wurden nicht zum Chef befördert, weil Sie in der Vergangenheit so gute fachlichen Leistungen vollbracht haben, sondern weil man Ihnen zutraut, eine Abteilung erfolgreich in die Zukunft zu führen (So sollte es zumindest sein)! Lassen Sie es also ab sofort zu, dass Ihre Mitarbeiter Sie fachlich überholen werden. Ihre Aufgabe ist es sogar, gerade dies zu fördern!

7. Investieren Sie Zeit für Ihre Weiterbildung

Wieviel Zeit nehmen Sie sich für Ihre berufliche und persönliche Weiterentwicklung? Bilden Sie sich auf Tagungen und Seminaren weiter, melden Sie sich für Webinare an, lesen Sie Fachbücher, Zeitschriften und Newsletter. Reservieren Sie hierfür mindestens eine Stunde am Tag. John D. Rockefeller sagt man nach, er habe bereits als junger Unternehmer jeden Tag ein Drittel seiner Zeit mit Lesen verbracht!

Was war bisher Ihre beste (oder schlechteste) Entscheidung, die Sie als junger Chef getroffen haben? Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne mit uns und nutzen dazu die Kommentarfunktion oder schreiben eine E-Mail an redaktion@bnw.de.

Autor: Dirk H.Verlande, Zertifizierter Trainer, Berater und Coach

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