Die Zukunft der Erwachsenen- und Weiterbildung aus politischer Perspektive: Staatliche Förderung und Stellung der Bildung im eigenen Land

Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur

Ein für die niedersächsische Erwachsenen- und Weiterbildung prägendes Merkmal ist, dass sie sich veränderten Bedingungen stets nicht nur gestellt, sondern den gesellschaftlichen Wandel engagiert mitgestaltet hat. Das war in den Gründungsjahren so, als es vornehmlich darum ging, die Demokratie zu sichern und die Urteilsfähigkeit der Menschen zu stärken; das ist auch heute so, da wir vor großen globalen Herausforderungen stehen, die ein Umdenken und Umlernen vieler Menschen erforderlich machen.

In unserer modernen Wissensgesellschaft kommt der Bildung eine besondere Bedeutung zu. Um den wachsenden Anforderungen in Beruf und Alltag gerecht zu werden, müssen wir ständig dazulernen, uns weiterbilden. Die berufliche Qualifizierung und die Vorbereitung auf anerkannte Abschlüsse sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Bildungsarbeit. Wir müssen unser einmal erworbenes Schul-, Berufs- oder Hochschulwissen immer wieder um neue Kenntnisse ergänzen und weiter ausbauen. Dies betrifft sowohl hoch Qualifizierte als auch Menschen mit geringerer Bildung. Grundfähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen sind von elementarer Bedeutung für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. Deshalb hat das Land schon frühzeitig Grundbildungs- und Alphabetisierungsangebote der Einrichtungen gefördert, etwa mit den Regionalen Grundbildungszentren oder zielgruppengerechten Maßnahmen im Sonderfonds für lebenslanges Lernen.

Die Vielfalt der Einrichtungen und Träger der niedersächsischen Erwachsenenbildung bietet allen Menschen die Chance, sich die Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, die sie für die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit und zur Mitgestaltung unserer Gesellschaft benötigen. Die verlässliche staatliche Förderung bei gleichzeitiger Wahrung der Eigenständigkeit der Einrichtungen und ihrer Träger zielt darauf ab, das Erwachsenen- und Weiterbildungsangebot nicht ausschließlich dem freien Markt zu überlassen; denn Bildung steht in der gemeinsamen Verantwortung der einzelnen Bürgerinnen und Bürger, der öffentlichen Hand, der Wirtschaft und anderer gesellschaftlicher Gruppen.

Ein offener Zugang zu den Bildungsangeboten der niedersächsischen Erwachsenenbildung ist ein wichtiger Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, Dialog und Teilhabe. Die Begegnung im Kurs, das Lernen in der Gruppe spielt dabei eine wichtige soziale Rolle. Darüber hinaus bieten schon jetzt digitale Lehr- und Lernformate neue Chancen für die Erwachsenenbildung. Innovative Formen selbstgesteuerten Lernens eröffnen allen Menschen neue Perspektiven, sich beruflich und sozial weiterzuentwickeln. Vor allem im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft ist dabei auch an lebensbegleitende Aus- und Weiterbildungsangebote zu denken, um die Digitalisierung erfolgreich in Alltag und Beruf umzusetzen und die Menschen in unserem Land auf das digitale Zeitalter gut vorzubereiten.

Mit ihren vielfältigen Inhalten und Programmen leisten die niedersächsischen Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung einen wichtigen Beitrag, um unser Land und unsere Menschen für die Zukunft gut aufzustellen. Um ihre anspruchsvollen Aufgaben zu erfüllen und weiterhin gute Angebote zu entwickeln, wird das Land die Erwachsenenbildung weiterhin mit Finanzhilfen und zusätzlichen Projektmitteln fördern.

Unterschrift Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur

Björn Thümler
Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur

Photo by MWK/brauers.com

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