Der Ton macht die Musik: So verbessern Sie den Austausch mit Ihren Azubis

Ausbilder und Auszubildende

Unterschätzen Sie Ihre Sprache nicht, denn sie beeinflusst Gefühle

„Das habe ich alles bereits erklärt.“ „Das ist falsch.“ „So geht das nicht.“ „Immer kommen Sie im unpassenden Moment.“ „Jetzt müssen Sie erst einmal warten.“ Die ersten drei Sätze reichen bereits, um Ihre Auszubildenden zu demotivieren. Sie enthalten negative Sprache und Reizwörter, die im Austausch beider Gesprächspartner von oben herab wirken. Selbst wenn Ihre Auszubildenden einsehen, was Sie von der Sache halten, bleibt ein unzufriedenes Gefühl mit sich und der Situation.

Worte können emotional verletzten, und das aus reiner Unachtsamkeit und ohne Vorsatz. Dabei geht es hier erst einmal um die Wortwahl. Stimme, Lautstärke und Betonung machen weitere 38 Prozent Ihrer Wirkung auf andere aus. Der Ton macht bekanntlich die Musik und sollte immer wertschätzend, verständnisvoll und motivierend sein.

Wenn Sie Ausbilder oder Ausbildungsbeauftragter sind und jetzt denken, „das muss man schon einmal aushalten können“ und „uns wurde auch nichts geschenkt“, dann ist das ebenso richtig wie, es jetzt und zukünftig besser zu machen. Besser geht immer – gerade im Umgang mit jungen Menschen, die in das Berufsleben einsteigen und noch Jahrzehnte Freude daran haben sollen. Klar, dass sie uns manches Mal überraschen mit dem, was sie tun und sagen. Wenn Sie schon einige Jahre in der Ausbildung aktiv sind, können Sie bestimmt Bände dazu schreiben. Ganz egal, wie lange Sie schon Ausbilder sind, es gibt immer wieder neue Überraschungen.

Ausbilder und Auszubildende

In manchen Branchen kann der Ton auch etwas rauer werden.

Ein hilfreicher Schritt: Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Auszubildenden

Das Verhältnis zwischen Ausbilder und Auszubildenden sollte langfristig von einer positiven und motivierenden Sprache und einem gelassenen, ruhigen Tonfall geprägt sein. Wer könnte besser darauf achten und es vorleben als Sie? Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Auszubildenden. Alles ist neu: Aufgaben, Menschen, Hierarchien, Spielregeln, Tagesabläufe. Die meisten Auszubildenden reagieren angepasst und zurückhaltend, andere rebellisch.

In dieser Situation vereinzelt eine negative Formulierung zu hören ist erträglich und konstruktive Kritik zu konkretem Verhalten ist angemessen. Wenn Auszubildende jedoch in Alltagsituationen regelmäßig Sätze hören wie „das ist falsch“, „so kannst du das nicht machen“ oder „das habe ich schon mehrfach erklärt“, werden sie es beim fünften Mal nicht automatisch richtigmachen. Es fühlt sich dadurch auch nicht richtig an, stattdessen sinkt die Motivation. Stresshormone werden produziert, die messbar sind. Worte können treffen, ganz nebenbei.

Mit Achtsamkeit bei der Wortwahl und einem entspannten Tonfall erreichen Sie die Beziehungsebene. Wenn Sie in der Kommunikation mit Ihren Auszubildenden darauf achten, WIE Sie etwas sagen, verbessert es die Zusammenarbeit nachhaltig. Der Ton macht die Musik.

So finden Sie zu einer motivierenden und wertschätzenden Sprache

Die Handlungsprinzipien dafür sind ganz einfach:

  1. Verzichten Sie auf den Konjunktiv und Worte wie könnte, sollte, müsste, würde, wäre oder hätte. Formulieren Sie so klar und konkret wie möglich in der Gegenwartsform. Eine aktive Formulierung wie „ich habe“, „ich werde“ oder „ich bin“ überzeugt wirkungsvoller als „ich hätte“, „ich könnte“ oder „ich wäre“.
  2. Streichen Sie aus Ihrer Kommunikation sogenannte Weichmacher. Dazu gehören eigentlich, eventuell, vielleicht, nur, erst einmal und bloß.
  3. Vermeiden Sie Reizwörter wie: aber, trotzdem, dennoch, leider, falsch, Problem. Ersetzen Sie diese durch Ich-Botschaften und Frageformen.
  4. Verwenden Sie eine positive Sprache. Sagen Sie, was Ihnen wichtig ist, zum Beispiel „ich bitte Sie, dass Sie zukünftig darauf achten“ oder „gemeint habe ich Folgendes“. Auf Auszubildende wirken Sätze wie „das ist der falsche Moment, jetzt passt es mir gar nicht, ich bin noch beschäftigt“ weniger motivierend. Freundlicher und wertschätzender klingt eine Frage: „Möchten Sie warten, bis ich fertig bin?“
  5. Formulieren Sie Ihre Aussagen und Wünsche zukunftsorientiert. Vergangenes bringt Auszubildende selten weiter. Anstatt „früher habe ich“ oder „hätte ich bloß“ sagen Sie besser „ab sofort achte ich darauf“ und „ich bitte Sie, in Zukunft“. Ersetzen Sie wenn möglich die Wörter „müssen“ und „sollen“ durch „ich werde“, „ich möchte gerne“, „ich bitte Sie“ oder „ich bin Ihnen dankbar, wenn“. Das wirkt positiv, freundlich und motivierend. Mit „sollten“ und „müssen“ setzen Sie Auszubildende unter Druck, sie haben mit Zwang und Fremdbestimmung zu tun, man macht etwas unfreiwillig.
  6. Wenn Sie jetzt noch darauf achten, vor wichtigen Aussagen eine Pause zu setzen und die Schlüsselwörter betonen, verbessern Sie neben der positiven Wortwahl auch Ihre Stimmwirkung.
  7. Einmal tief in den Bauch geatmet und Ihr Ton wird ruhiger und entspannter. So werden Sie gelassen und wertschätzend bei jeder Überraschung – die garantiert kommt.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, es sind Heldenjahre. Viel Spaß und Erfolg mit den jungen Helden!

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Autorin: Iris Kadenbach, Geschäftsführung, Kadenbach Coaching Hamburg | Hannover

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