Wirtschaft statt Werkstatt: Betriebliche Inklusion bei Remondis. Neue Mitarbeiter dank Budget für Arbeit.

Viele Unternehmen suchen geeignete Fachkräfte und finden sie nicht – oder nicht dauerhaft. Auch oder gerade nicht für einfache Tätigkeiten. Statt weiter auf Personaldienstleister zu setzen, fördert die Firma REMONDIS Industrie Service GmbH Menschen mit Behinderung bei der beruflichen Inklusion. Unterstützung bietet das „Budget für Arbeit“. Das Ergebnis: Ein klares Win-Win.

Wohin mit den Abfallprodukten? Für diese Herausforderung entwickelt die Firma Remondis Lösungen, die sicher wie nachhaltig sein sollen. Am Standort Bramsche übernimmt die Entsorgungsfirma unter dem Titel RESPRAY die Sammlung, den Transport und die Verwertung voller und teilentleerter Spraydosen für Kunden aus Handel, Gewerbe und Industrie. Spraydosen für die Wiederaufbereitung sortieren: Was früher Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen machten, übernehmen heute fest angestellte Remondis-Mitarbeiter. Möglich wurde dies, weil das Unternehmen eine neue Mitarbeitergruppe für sich erschlossen hat. Statt ständig wechselnder Mitarbeiter von Personaldienstleistern arbeiten in diesem Bereich jetzt mehrere Menschen mit einer Behinderung.

Das ganze Unternehmen profitiert: Neues Wir-Gefühl durch neue Mitarbeiter

Die Idee zu dem Projekt entstand in einem Beratungsgespräch mit BNW-Mitarbeiterin Petra Künsemüller, Inklusionsberaterin im Unternehmens-Netzwerk INKLUSION. Künsemüllers Frage lautete: Könnten einfache Routinetätigkeiten von geeigneten Mitarbeitern übernommen werden, die bislang in einer Werkstatt für behinderte Menschen tätig waren? Die Antwort sieht man heute: Mehreren Remondis-Beschäftigten ist der Übergang aus der beruflichen Tätigkeit in einer Werkstatt in die freie Wirtschaft erfolgreich geglückt. Sie zahlen dem Unternehmen diese Chance mit Engagement und Loyalität zurück. Auch wenn es manchmal Rückschläge oder Herausforderungen gebe, freut sich Christian Deing von der Niederlassungsleitung über „mehr Kontinuität“. Sein Kollege Uwe Haake, Schwerbehindertenvertreter bei Remondis, lobt den rücksichtsvollen Umgang mit den neuen Kollegen das damit verbundende neue „Wir-Gefühl“.

Unternehmen und Mitarbeiter werden durch das Budget für Arbeit finanziell gefördert

Ein Faktor, der diese Win-Win-Situation entscheidet begünstigt hat, ist das „Budget für Arbeit“. Seit Anfang 2018 wird damit bundesweit der Übergang von Menschen mit Behinderung aus einer Werkstatt-Tätigkeit in die freie Wirtschaft finanziell gefördert. Bei Abschluss eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses kann eine bestehende Leistungsminderung ehemaliger Werkstattbeschäftigter durch unterschiedliche Fördermaßnahmen bzw. Fördermittel ausgeglichen werden. Das Budget kann je nach Leistungseinschränkung einen Lohnkostenzuschuss an den Arbeitsgeber und/oder die Aufwendungen für eine notwendige Anleitung und Begleitung enthalten. Beides bei Bedarf dauerhaft. Bei Remondis handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt, an dem der Landkreis und die Stadt Osnabrück, die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück und der Integrationsfachdienst beteiligt sind. Und das BNW in Form von Beratung. „Wir kennen sowohl mögliche Fördermittel als auch die relevanten Einrichtungen und zuständigen Stellen. So können wir schnell mit konkreten Ansprechpartnern weiterhelfen“, erklärt Petra Künsemüller.

Potenzial für die Wirtschaft: Über 30.000 Menschen arbeiten in Niedersachsen in Werkstätten

Der Landkreis Osnabrück hat sich das Ziel gesetzt, in jedem Jahr zehn Menschen aus dem Werkstattbereich auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Und Karin Heinrich, zuständige Fachbereichsleiterin der Stadt Osnabrück, sagt: „Das Projekt ist ein tolles Beispiel, wie Integration gelingen kann.“ Weiteres Potenzial ist da: Über 30.000 Menschen mit Behinderung arbeiten in Niedersachsen in Werkstätten. „Auch unser Ziel ist es, so viele Übergänge in die freie Wirtschaft zu begleiten wie möglich. Das fängt bei Auszubildenden an. Und wie man bei Remondis hört – die Vorteile der betrieblichen Inklusion für Unternehmen können vielfältig sein. Von engagierten Mitarbeitern bis zur positiven Beeinflussung des Betriebsklimas“, sagt Petra Künsemüller.

 

Weitere Infos: 

Budget für Arbeit

Um eine größere Zahl von Werkstattbeschäftigten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln, wurde am 01.01.2018 mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) das Budget für Arbeit als eigenständige Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben etabliert. Beim Abschluss eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses mit ortsüblicher Entlohnung kann eine bestehende Leistungsminderung ehemaliger Werkstattbeschäftigter durch unterschiedliche Fördermaßnahmen bzw. Fördermittel verschiedener Leistungsträger ausgeglichen werden, z. B. durch das Integrationsamt, den Integrationsfachdienst oder die Kommunale Eingliederungshilfe. Die Eingliederungshilfe erbringt diese Leistung im Rahmen des Budgets für Arbeit. Dieses Budget kann je nach Leistungseinschränkung des ehemaligen Werkstattbeschäftigten einen Lohnkostenzuschuss an den Arbeitgeber und/oder die Aufwendungen für die wegen der Behinderung erforderliche Anleitung und Begleitung enthalten. Sowohl der Lohnkostenzuschuss als auch die Unterstützungsleistung am Arbeitsplatz können dauerhaft erbracht werden und werden vom Leistungsträger finanziert, soweit ein Bedarf besteht. Der Budgetnehmer hat ein Rückkehrrecht in die Werkstatt und behält die Anwartschaftszeiten auf eine eventuelle spätere Werkstattrente.

Unternehmens-Netzwerk INKLUSION

Das Unternehmens-Netzwerk INKLUSION ist eine Initiative der Wirtschaft in acht Bundesländern. Inklusionslotsen informieren Personalverantwortliche zu allen Fragen rund um die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und unterstützen sie bei der betrieblichen Inklusion. In den kostenlosen Beratungen und Veranstaltungen geht es sowohl um juristische Fragen, als auch um den Gewinn interessierter Bewerber, Fördermöglichkeiten und individuelle Unterstützungsmöglichkeiten für Mitarbeiter mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Ansprechpartnerin für die Region Osnabrück beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft ist Petra Künsemüller,
Tel.: 0541/357463-14, E-Mail: petra.kuensemueller@bnw.de

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