Keiner möchte Bäcker werden? So schaffen Sie dem Nachwuchs Anreize

Auf einen Stapel Pancakes wird Honig geträufelt

Und plötzlich ist der Ofen aus: Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet zum Start des neuen Ausbildungsjahres von einer Traditionsbäckerei, die schließt. Außerdem von einer Ökobäckerei, die fast schließen musste – und nur mit der Hilfe einer Genossenschaft den Betrieb aufrecht erhalten kann. Realität im Jahr 2019. Der Grund: Fachkräftemangel.

Wie im kleinen, so im Großen: Laut einer bundesweiten Wirtschaftszeitung für den Mittelstand stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zum 1. August 2018 auf eine neue Höchstmarke: Mit 57.700 fiel sie mehr als dreimal so hoch aus wie 2009 und lag um 17,7 Prozent höher als 2017. Die Prognose für 2019: nicht besser.

Das spürt vor allem das Handwerk. Dort ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage besonders hoch. Handwerksbetriebe meldeten 2018 3,4 Prozent mehr freie Ausbildungsplätze als im Vorjahr. Jedoch blieben rund 33.600 dieser Ausbildungsplätze unbesetzt. Negativer Spitzenreiter in diesem Ranking ist das Lebensmittelhandwerk.

 

Auf einen Stapel Pancakes wird Honig geträufelt

Sollen sich die Bäckerbetriebe ihre neuen Azubis nun selbst backen?

 

Auf lange Sicht kann es nur helfen, den angeschlagenen Ruf des Jobs zu verbessern. Bezogen auf das Backhandwerk hindern die vermeintlich ungünstigen Arbeitszeiten viele junge Menschen daran, sich zu bewerben. Manche Bäcker sagen dazu: „Der Dienst beginnt bei uns morgens um 5 Uhr, dafür sind wir nach dem Mittag fertig und können unsere Zeit bis 22 Uhr für Freizeitaktivitäten nutzen.“

Unser Rat: Machen Sie das publik. Denn den potenziellen Nachwuchskräften wird vom Umfeld immer suggeriert: „Als Bäcker musst du nachts aufstehen.“

Tatsache ist: Es gibt junge Menschen, die gerne früh aufstehen. Und das Arbeitszeitgesetz sagt: Auszubildende unter 18 Jahren dürfen nur zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten. Mit Nachtschichten müssen nur volljährige Azubis rechnen – und das auch nur in Betrieben, deren Abläufe es notwendig machen.

Was also als Nachteil dargestellt wird, kann auch ein Vorteil sein: Der frühe Feierabend ermöglicht den Early Birds unter den Millennials Zeit für Hobbies und Freunde. Wer die Haltung der jungen Generationen kennt und ihre Sprache spricht, schafft positive Resonanz. Unser Ansatz: Arbeiten Sie sauber die Anreize sauber heraus, die Jugendliche veranlassen würden, sich für einen Ausbildungsplatz in Ihrem (Handwerks-)Betrieb zu entscheiden. Tragen Sie dann die Botschaften nach außen.

Dazu stellen wir Ihnen jetzt ein Starter-Kit zusammen:

Gehen Sie mit potenziellen neuen Azubis ins Gespräch – an geeigneter Stelle. Betriebe sollten dort präsent sein, wo Jugendliche nach Ausbildungsstellen suchen, sprich: im Internet. Ein Azubiblog oder Instagram-Account muss nicht aufwendig sein und hilft, ein positives Image Ihres Betriebes nach außen zu tragen. Wenn Sie Azubis aus dem zweiten und dritten Lehrjahr finden, die dort wohlmeinend aus ihrem Azubi-Alltag berichten, umso besser. Der Aufbau eines solchen Empfehlungsmarketings verspricht Erfolg. Denn niemand anders als ein Auszubildender selbst kann die Botschaft von der Attraktivität eines Arbeitgebers glaubwürdiger nach außen tragen.

Voraussetzung ist, dass Firmen jungen Menschen eine Plattform bereitstellen, um positive Statements über ihre Ausbildung auch verbreiten zu können. Derzeit eignet sich Instagram ganz besonders als eine solche Plattform. Das als App konzipierte, stark visuell orientierte Social Network bedient die Bedürfnisse der Jugendlichen gut, weil die Kommunikation schnell, interaktiv, niedrigschwellig und unterhaltsam ist. Daher schaffte es Instagram mittlerweile schon auf Platz 3 der beliebtesten Internet-Angebote von jungen Menschen. Täglich nutzen 48% der 14- bis 19-Jährigen Instagram, bei Snapchat sind es 44%. Dort eine Präsenz aufzubauen, kann den Anwerbungserfolg neuer Azubis von Firmen entscheidend steigern.

Wie Sie das angehen? Auf unserer Download-Seite finden Sie einfache Schritte zu Ihrem Instagram-Auftritt.

Überhaupt sollten Unternehmen beim Azubi-Recruiting neue Wege beschreiten. Um Ausbildungsplätze zu besetzen, sind mehr Anstrengungen nötig als eine Anzeige im Stellenteil zu schalten – nur zehn Prozent der Millennials befassen sich noch täglich mit Zeitungen. Viele Unternehmen kooperieren bereits mit Schulen, um auf Berufsorientierungstagen mit dem potentiellen Nachwuchs ins Gespräch zu kommen. Dabei können sie zusätzlich auf einen Erlebnischarakter setzen. Ein Betrieb des Hotel- und Gaststättengewerbes etwa könnte Ausbildungsinteressenten zeigen, wie man Cocktails mixt.

Bei der Arbeitgebermarke auf hohe Zielgruppenorientierung zu achten, zahlt auf die Attraktivität der Ausbildung ein. Aus Studien ist bekannt, dass Jugendlichen „immaterielle Dinge“ wichtig sind, wie etwa der Spaß am Beruf, das Betriebsklima, Familienfreundlichkeit sowie Lob und Anerkennung für gute Arbeit. Gerade kleineren Unternehmen bietet sich die Chance, in diesen Bereichen zu punkten und so an Attraktivität erheblich zu gewinnen.

Materielle Anreize stehen bei Auszubildenden zwar weniger hoch im Kurs. In Form von Jobtickets oder Mietzuschüssen eignen sie sich jedoch dazu, den Radius bei der Auszubildendensuche zu vergrößern. Weiter entfernt wohnende Jugendliche lassen sich mit solchen „Benefits“ und etwas Glück zu einer Bewerbung und Ausbildungsaufnahme bewegen. Auch hier: Achten Sie auf die Ansätze der Fridays-for-Future Generation und versuchen Sie, Anforderungen und Vorstellungen entgegenzukommen – statt sie gleich abzulehnen. Ein Ansatz der DGB-Jugend in der vergangenen Woche: das 1-Euro-Ticket gegen die hohen Fahrtkosten zu Berufsschule und Betrieb.

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